International Volunteer in Sierra Leone – Simons Erlebnisse

« Der humanitäre Bereich ist zum Geschäft geworden »

Übersetzt aus dem französischen, den Originalartikel finden Sie hier.

Simon ist ein 22 Jahre junger Franzose. Er hat einen BA in Internationalem Management und Entwicklung und hat sich anschließend auf Politikwissenschaften spezialisiert. In seinem Studium beschäftigte er sich vor allem mit humanitären Problemen, insbesondere im Bereich Bildung. Von Juni bis August 2018 unterstützte er als International Volunteer Street Child in Sierra Leone, einem der ärmsten und unbekanntesten Länder Afrikas. Er erzählt von seinem Abenteuer und was er in dieser aufregenden Zeit gelernt hat.

Als ich die Möglichkeit für einen Aufenthalt als Freiwilliger auf Street Childs Website entdeckte, dachte ich sofort, dass es genau die Art von Erfahrung war, die ich aus einer Reihe von Gründen suchte.

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Es war erst einige Monate her, dass ich Afrika anders entdecken wollte, als durch meine Kurse an der Universität. Daher stellten zwei Monate in Makeni in Sierra Leone eine Gelegenheit für mich dar, selbst in eine andere Kultur einzutauchen als meine eigene und meine Gedanken und Ansichten zu bereichern! Aber abgesehen von diesem kulturellen Aspekt, dachte ich auch, dass die Arbeit für eine mittelgroße NGO wie Street Child es mir erlauben würde, echte Erfahrungen im Entwicklungssektor zu sammeln und meine eigene Meinung zu humanitären Themen zu bilden.

In der Tat hörte ich seit ein paar Monaten, zumindest in Frankreich, die gleichen abwertenden Kommentare über den humanitären Bereich. Hilfsorganisationen seien überwältigt, hilflos, neokolonial, realitätsfern oder schlichtweg nicht motiviert, wirklich Dinge zu verändern. Gerade Freiwilligendienste seien ein Geschäft wie jedes andere geworden und eine kaum verschleierte Art und Weise für junge Menschen Urlaub in Ländern mit drastisch reduzierten Lebenshaltungskosten zu machen.

Es war mir daher wichtig, diese Vorurteile zu überwinden und auch konkret zu verstehen, was der Begriff "Entwicklung", oft schlecht oder nicht ausreichend definiert, außerhalb unserer europäischen Rahmenbedingungen bedeutet.

So wurde ich in Street Childs International Volunteering Programme für einen Aufenthalt in Sierra Leone akzeptiert, um dort mit Street Child Commercial zu arbeiten. Street Child Commercial wurde vor sechs Jahren ins Leben gerufen und ist für die Entwicklung lokaler Unternehmen (Cafés, Restaurants, Shops) verantwortlich, um Gewinne zu erwirtschaften, die direkt an die Aktivitäten von Street Child vor Ort gespendet werden! Zwei Monate lang arbeitete ich für das Clubhaus, Street Childs Restaurant in Makeni.

« Make the Clubhouse Great Again »

An Ort und Stelle angekommen, war ich sofort beeindruckt von dem was ich beobachten konnte, versuchte aber gleichzeitig stets kritisch zu bleiben. Was mir bei allen Street Child Aktivitäten besonders auffiel, war, dass die meisten wichtigen Entscheidungen von Sierra-Leonern getroffen wurden. Im Clubhaus wurde ich von einem Team von zehn Mitarbeitern empfangen, die sich alle leidenschaftlich ihren Aufgaben widmeten. Zum Beispiel Papay, Clubhaus-Manager und erster Mitarbeiter von Street Kind Commercial, der seine Urlaubstage freiwillig nicht wahrnimmt, um sicher zu sein, das Maximum für seine Aufgaben geben zu können. Als ich ihn fragte, wo er all diese Motivation hernahm, erklärte Papay, er sei stolz darauf für eine NGO zu arbeiten die einen Teil ihrer Mittel direkt vor Ort in Sierra Leone generiert.

Meine Rolle vor Ort wurde mir von Anfang an klar von meinem Chef Med kommuniziert: "Simon, we want you to make the Clubhouse great again!". Ich war also da, um frische Luft und originelle Ideen für das Restaurant einzubringen, um mehr Kunden anzuziehen und mehr Profit zu generieren. Ich hatte sehr viel Freiraum in meiner Arbeit und alle Mitarbeiter gaben mir sofort ihr volles Vertrauen, was sowohl berauschend war, als auch gefährlich:
Ich wusste, dass große Hoffnungen auf mich gesetzt wurden und ich niemanden enttäuschen wollte!
Ich war außerdem erfreut, dass ich jederzeit und überall auf alle notwendigen Dokumente zugreifen konnte.

« Unterrichten heißt auch sich selbst in Frage stellen »

Diese Transparenz beim Zugriff zu Street Child Informationen, fand ich auch in allen anderen Bereichen, in denen ich mit der NGO arbeitete. Ich konnte an allen Meetings teilnehmen, an denen ich teilnehmen wollte, ich konnte die Schulen mit denen Street Child arbeitet besuchen wann ich wollte und zu allen Fragen, die ich hatte, selbst den schwierigen, erhielt ich detaillierte und vollständige Erläuterungen.

Was mir bei den Meetings besonders auffiel, war die große Aufmerksamkeit die den Kindern beim Gestalten der Unterrichtsmethoden zukommt: Was wollen wir wirklich, dass das Kind lernt? Was sollte das Kind weitergeben? Was heißt "lernen" und "lehren"? Wie viel lernen die Kinder von uns und was lernen wir von ihnen?... so viele Fragen, die für jedes Gespräch zwischen Lehrern und Koordinatoren von zentraler Bedeutung waren. Einer der Lehrer hatte auch vorgeschlagen, dass es im Unterricht auch ums "Fragen" geht, was meiner Meinung nach eine perfekte Zusammenfassung dessen ist, wie Street Child in seinen Bereichen arbeitet.

Denn wie immer im Entwicklungsbereich ist alles nicht perfekt aber voller neuer Hürden. Doch die Teams vor Ort sind sich dessen bewusst und arbeiten täglich daran diese zu überwinden und Prozesse zu verbessern. Vor allem wurde mir klar, dass die meisten Errungenschaften in einer NGO das Ergebnis vieler Dialoge, vieler Stunden Geduld, Diskussion und Egos sind.
Zu den Projekten, die ich im Clubhaus umsetzen wollte, gehörte die Einrichtung von kostenlosem WLAN im Restaurant. Die von mir vorgeschlagene Lösung bestand darin, einen Teil des Überschusses meiner Fundraising-Kampagne zu verwenden, um die Installation von WLAN für zwei Monate zu finanzieren. Die Idee wurde von den Street Child Büros positiv aufgenommen und alle waren sehr kooperativ, um gemeinsam die beste Lösung zu finden. Ich war so glücklich zu sehen, dass mein Projekt so effektiv zustande kam, aber auch zu wissen, was konkret mit dem Geld geschehen würde, das ich gesammelt hatte!

Letztendlich waren meine zwei Monate als International Volunteer mit Street Child eine bereichernde Erfahrung: Ich konnte meine professionellen Fähigkeiten festigen, kreativ arbeiten, meine Vorurteile überwinden und vor allem eine realistische Vorstellung davon bekommen, was Arbeit in einer Hilfsorganisation bedeutet und was eine NGO tun muss, um die erwarteten Ergebnisse zu erzielen.
Und gegen alle Widerstände bin ich bereit, mich schuldig zu bekennen: Der humanitäre Bereich ist in der Tat ein Geschäft, aber ein bewusstes Geschäft. Im Bewusstsein, dass jede neue Idee finanzielle Mittel benötigt, aber gleichzeitig bewusst ist, dass der Erfolg eines Projekts nicht an Quantität, sondern an Qualität gemessen wird.

Interesse an internationaler Freiwilligenarbeit mit Street Child? Mehr Informationen zu unserem International Volunteer Programme finden Sie hier.

Anne Beuken